Fremdsprachenerwerb aus einem sozialen Umfeld (Artikel)
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9. Juni 2022 

Ixchel's Journey

 

Sozialisation ist der Prozess, durch den Individuen mit ihrer Umwelt und anderen Lebewesen interagieren und Reaktionen austauschen. Während dieses Prozesses passen sich die Menschen an die Normen des sozialen Verhaltens des Ortes an, an dem sie leben.

Dies ist ein unverzichtbarer Faktor für das Zusammenleben und Überleben, ein Phänomen, das in der Kindheit beginnt und das ganze Leben lang anhält und eine umfassende Integration in die Gesellschaft ermöglicht.

Der Sozialisationsprozess ist komplex. Er umfasst persönliche oder interne Faktoren und Gruppen- oder Umweltfaktoren, ganz zu schweigen von genetischen Faktoren, die in vielen Fällen ebenfalls einen Einfluss haben können. Freunde, aktuelle Medien und Kollegen werden unter anderem zu wichtigen Faktoren für Entwicklung von Einstellungen und Verhaltensweisen der Menschen.

Dies steht in engem Zusammenhang mit der Theorie des sozialen Lernens, die besagt, dass Kinder in ihrer Umgebung durch Beobachtung und anschließende Nachahmung der von ihnen wahrgenommenen Verhaltensweisen lernen.

Von Kindheit an verstehen wir die Verhaltensweisen und Ausdrücke, die in unserer Gesellschaft verwendet werden. Deshalb hören wir manchmal, wie Kinder Ausrufe machen, die uns an die Art und Weise erinnern, wie sich ihre Großeltern, ihr Nachbar, ihre Mutter oder sogar eine Fernsehfigur ausdrücken.

Im Laufe der Zeit entwickeln sich Gesellschaften, die von verschiedenen Kulturen und Trends beeinflusst werden, und auch die Individuen, aus denen sich diese Gesellschaften zusammensetzen, sind von diesen Veränderungen betroffen, insbesondere wenn es um populäre Ausdrücke geht.

So sagte man etwa in den 1960ern in bestimmten sozialen Schichten von Mexiko-Stadt "¡está bien padre!" (wörtlich „das ist ein guter Vater“, mit der Bedeutung „sehr cool!“), um zu sagen, dass etwas sehr nett ist, aber in den 1970er Jahren änderte sich der Ausdruck zu "¡me pasa la onda!" („Ich spüre die Stimmung!“) und in den 1990er Jahren wurde die Form "¡está prendisísimo!" („großartig!“) angenommen.

Diese Ausdrücke findet man nicht, wenn man die spanische Sprache lernt, da sie nur im allgemeinen Sprachgebrauch vorkommen und wahrscheinlich nicht in einem Wörterbuch oder Grammatikbuch zu finden sind.

Im Spanischen gibt es ein Sprichwort: al lugar al que fueres haz lo que vieres (wörtlich „wohin du auch gehst, tu was du siehst¨ oder „andere Länder, andere Sitten¨). Dieser Ausdruck bezieht sich auf die Bedeutung der Beobachtung und Nachahmung von Verhaltensweisen, die zu einer bestimmten Kultur gehören.

Was ich damit sagen will, ist, dass der Prozess der Sozialisierung auch genutzt werden kann, um das Erlernen einer Fremdsprache zu beschleunigen. Durch Beobachtung und Nachahmung können Handlungs- und Ausdrucksweisen erlernt werden, die über eine tiefe Analyse der Grammatik oder das Studium von Lehrbüchern hinausgehen.

Durch Nachahmung kann man sich bestimmte Verhaltensweisen aneignen oder abgewöhnen und lernen, wie die Menschen in der Umgangssprache kommunizieren, indem man sich diese Ausdrucksweisen zu eigen macht.

Kurz gesagt, wenn wir Menschen sehen und hören, die die Sprache, die wir lernen, täglich sprechen, hilft uns das, die Sprache auf praktische und zeitgemäße Weise zu erlernen; und dank unseres Sozialisierungssinns werden wir Verhaltensweisen, beliebte Redewendungen und die Aussprache übernehmen und lernen.

 

Ixchel Pérez Hernández (Instagram: @ixchelsjourney) ist polyglott, Musikerin, Kunsthistorikerin und Sprachlehrerin. Sie hat mehrere Studien in den Bereichen internationale Beziehungen, Organisationspsychologie, Pädagogik und Menschenrechte abgeschlossen.

 

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